Linux und ich

Linux ist nicht alles ...

"Breitgefächerte wie tiefgehende IT-Erfahrung ..." - so hat mich mal ein ehemaliger Mitarbeiter beschrieben - und darauf bin ich stolz. Da ich nicht mehr ganz der Jüngste bin, vermag ich über IT und IT-Entwicklungen aus beruflicher Perspektive tatsächlich auch Einiges zu sagen. Ich sollte dabei vorausschicken, dass Linux in den Kernbereichen meiner beruflichen Tätigkeit bislang eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat.

Ich arbeite primär als IT- und Projekt-Consultant und bei Bedarf auch als Projektmanager. Alles vorwiegend im Umfeld großer SW-Projekte. In letzter Zeit hat sich zusätzlich das Geschäftsfeld der Angebotsberatung im Umfeld von SW-Projekten für den öffentlichen Dienst ergeben. Im Umfeld von SW-Systemen und SW-Projekten wie auch dem zugehörigen spezifischen Qualitätsmanagement und der Qualitätssicherung kann ich auf jahrelange Erfahrung verweisen.

Seit 2009 richtet sich mein Interesse jedoch zunehmend auf die IT-Prozesse und die IT-Governance in Unternehmen. Letztlich hängt die Qualität, Effektivität und auch Effizienz des IT-Einsatzes in Unternehmen aus meiner Sicht viel stärker von einem guten und gegliederten Management IT-bezogener Prozesse ab als von reinem technischem Know-How und/oder guter Projektleitung. Das betrifft neben dem IT Service- und Security-Management auch eine stringente IT-Governance.

Es gibt allerdings auch eine durchaus technisch orientierte Seite von mir, die sich neben dem konsequenten Einsatz von Linux-Systemen in meiner kleinen Firma u.a. in immer mal wiederkehrenden SW-Entwicklungstätigkeiten im PHP-Umfeld ausdrückt. Obwohl viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Beratungsumfeld das als "Abweichung von meinen Kernkompetenzen" kritisieren, pflege ich diese Seite durchaus. Warum erläutere ich weiter unten.

Da dies ein Linux-Blog ist, beginne ich jedoch mal mit meinem Verhältnis zu diesem Betriebssystem. Nachfolgend finden Sie dann Informationen zu dem, was ich beruflich schwerpunktmäßig mache ...

Linux und ich

Sei etwa 2003 setze ich privat und wo immer es sich beruflich ermöglichen lässt, Linux auf dem Desktop und auf Servern ein. Nicht, weil das in jedem Einzelfall besser oder gar bequemer als mit anderen Systemen wäre. Aber meine Zeit in der Forschung in den späten 80-ern hatte mich bereit UNIX-affin gemacht. So habe ich 1989 damit begonnen SC Unix auf einem PC einzusetzen. In meienr ersten IT-Anstellung war ich damm mitverantwortlich für die Etablierung und UNIX-Systemen für Oracle-Datenbank-Anwendungen. Der spätere Einatz von Linux im eigenen PC-Umfeld war irgendwie schon vorprogrammiert.

Den aktuellen Einsatz von Linux finde ich in jedem Fall technisch hochinteressant und spannend - weil nah an der technischen Front und weil Linux mir dort Freiheiten gibt und Möglichkeiten eröffnet, wo in anderen Systemen Gimmicks und bunte Bilder die Schwächen des System-Unterbaus ver- und überdecken. Linux hat mir einen ganz anderen Zugang z.B. zum Aufbau von Servern und Netzwerk-Systemen ermöglicht als der frühere ausschließliche Einsatz von Windows-Systemen. Es wimmelt unter Linux zudem von vielen nützlichen Applikationen - im besonderen im Netzwerk-, Server- und Security-Bereich - und man kann sich fast alles so zurechtschneiden, wie es das berufliche und private Umfeld erfordert. Auf jedem Niveau ...

Obwohl ich weiterhin aus beruflichen Gründen auch regelmäßig Windows nutzen muss: Ganz persönlich finde ich einen Windows Desktop eher langweilig und - was mir wichtiger ist - schlecht organisierbar. Das setzt sich bei den Standard-Office-Anwendungen - insbesondere seit den Office 2007 - fort. Dem User wird vieles verschleiert und der Such-Aufwand, bis man mal wirklich was Substanzielles verändern kann, wächst von Windows-Version zu Windows-Version - ohne dass für mein Gefühl irgendetwas in der Usability wirklich besser oder gar anders geworden wäre.

Aber ich habe halt auch besondere Anforderungen. Deswegen ist das eben Gesagte natürlich keine qualifizierte oder qualifizierende Aussage zum Einsatz von Windows an Standard-Arbeitsplätzen in Unternehmen. Dennoch muss ich aus meiner Sicht und langjährigen Erfahrung als Freiberufler, der IT täglich für Office-, Präsentations- und Entwicklungs-Aufgaben nutzt, schon feststellen: Sorry, Bill, man gibt für MS Produkte einen Haufen Geld aus und dennoch mangelt es einfach an zu vielen praktischen Tools, die man zumindest als Profi im täglichen Umgang mit IT nicht mehr missen möchte.

Im Bereich von Servern sehe ich Linux - vielleicht mit der Ausnahme von Groupware und Collaboration Systemen - sehr gut positioniert. Auch im Kleinen funktionieren die Server-Systeme für meine eigenen Ansprüche so, wie ich das erwarte. Das Schöne an Linux-Servern für den engagierten Freiberufler, der nur wenige Arbeits- und Entwicklungsplätze versorgen muss, ist:

Man kann sich bei hinreichendem Interesse bis in die tiefsten Tiefen einarbeiten - zu geringsten finanziellen Kosten, solange man keinen professionellen Support benötigt. Und so habe ich im Laufe der Zeit auf verschiedenen Systemen diverse Serverkomponenten eingerichtet, die ich in der täglichen Arbeit dan auch intensiv und regelmäßig nutze: DHCP, DNS, LDAP, Samba, NFS, Apache2, MySQL, PostgreSQL, Postfix, Cyrus IMAP, Open-Xchange, Kolab, SVN, ...

Wenn sich "spannend" in einer so vielfältigen Form mit "kostengünstig" trifft, muss ich in meinem eigenen bescheidenen Server- und Desktop-Umfeld nicht viel nachdenken. Windows läuft zusätzlich mit - und zwar da, wo es bei uns einen angemessenen Platz findet: Im Virtualisierungsfenster. Auch dies ist wiederum keine qualifizierte oder qualifizierende Aussage bzgl. des Einsatzes von Linux- oder Windows Servern und -Clients in großen Unternehmen. Dort kommen ganz andere Faktoren ins Spiel als bei einem Freiberufler mit relativ wenigen Arbeitsplätzen.

So sehe ich u.a. Linux auf dem Desktop auch durchaus kritisch. So spannend vieles ist - es gibt gerade aufgrund der enormen Innvovationsgeschwindigkeit immer wieder Phasen, in denen sich die "Zipperleins", mit denen man sich rumschlagen muss, häufen - nicht nur auf dem Desktop, aber dort relativ häufig. Das stresst und nervt im Arbeits-Alltag, und nicht immer reichen Zeit und Wissen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Moderne Linux-Systeme haben aufgrund ihrer Modularität so viele Facetten, dass man bei Schwierigkeiten erstmal viel, viel lesen und ausprobieren muss. Gut als Hobby, schlecht als Plattform der täglichen Arbeit.

Alles in allem besteht zwischen mir und Linux auch ein Art Hass-Liebe. Ich würde heute nicht mehr jedem unbedarften Anwender raten, von einem Windows-System auf einen Linux-Desktop umzusteigen. Der Einstieg in einem kundengetriebenen kleinen Firmenumfeld ist durchaus zeit- und damit letztlich auch kostenaufwändig - auch wenn das die eingefleischten Linux-Anwender natürlich nie zugeben würden. In großen Unternehmen ist eine sehr sorgfältige Analyse der Arbeitsplatzbedürfnisse vorzunehmen. Linux-Desktops für große User-Anzahlen und Abteilungen mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen zu managen, sehe ich als eine große Herausforderung an, an der sich nicht nur eine Stadt München einige Zähne ausbeißen kann.

Dennoch: Ich habe den eigenen Wechsel zu Linux in dem von mir selbst kontrollierten bescheidenen Umfeld mit mehreren Servern und Clients nie bereut. Durch Schwierigkeiten lernt man immer auch. Bei Linux hatte ich als Freiberufler immer den Eindruck:

Du hast selbst eine Chance, eventuelle Probleme zu lösen. Und wenn mal nicht: Es gibt im Linux-Umfeld immer Leute, die viel mehr wissen als du, und die bereit sind, dir zu helfen und fundiertes Wissen auch zu teilen.

In den Jahren meiner Windows-(Client und Server)-Nutzung blieb dagegen immer das Gefühl: Es hängt vom Glück oder vom Geldbeutel ab, ob sich ein Problem lösen lässt. Man ist dem Wohlwollen der SW- und HW-Hersteller und dem Vertriebsunternehmen deiner Wahl mehr oder weniger ausgeliefert und das manchmal zu sehr hohen Kosten.

Auch hier gilt wieder: Das kann für große Unternehmen ganz anders aussehen. Auch professioneller Linux-Support ist durchaus teuer.

Was mache ich eigentlich? Z.B. IT-Beratung ....

Linux ist nicht der Geschäftsbereich, mit dem ich den Hauptanteil meines IT-Lebens finanziere. Von meinem Werdegang her bin ich eigentlich IT-Consultant - also Analyst und Berater. In dieser Rolle habe ich mich im Laufe meiner Berufstätigkeit beratend, leitend und coachend mit großen SW-Projekten unterschiedlicher Ausprägung und bei unterschiedlichen Firmen herumgeschlagen. Vieles davon im ERP-Bereich von Konzernen. (Und das meiste durchaus mit einem erheblichem Anteil von Windows Systemen.)

Bzgl. der Beratung von Firmen/Projekten versuche ich die Erkenntnisse aus der Leitung solcher IT-Projekte mit dem Blick für unterschiedliche System- und SW-Architekturen und vor allem konsequent mit den Geschäftsinteressen zu verbinden, die ein Unternehmen mit der Umsetzung seiner Projekte anstrebt.

In den letzten Jahren richtet sich mein Interesse dabei immer mehr über konkrete Projekte hinaus auf die Prozesswelten eines Unternehmens. Ich bringe in meine Beratung zunehmend Kenntnisse aus den Bereichen des IT Service Managements, des Information Security Managements, ITIL V3 und auch COBIT 5 ein. Effektivität, Effizienz entstehen nicht allein durch Technik - sowohl in Projekten als auch im übergeordneten regulären IT-Service-Betrieb sind die Ausrichtung der Prozesse und die sukzessive Verbesserung ihrer Qualität von herausragender Bedeutung.

Nicht erst in letzter Zeit gewinnt der Bereich der Informationssicherheit zunehmend an Bedeutung im IT-Kontext. Ich betrachte ein zeitgemäßes Information Security Management als einen fundamentalen Pfeiler im IT-Service-Managements von Unternehmen. Sich hier mit den Anforderungen der ISO 27000 Reihe auszukennen und den Zusammenhang mit dem ITSM nach ISO 20000 herstellen zu können, halte ich im Beratungskontext für wichtig.

Hinzu kommt in meinem Fall, dass ich die typischen Prozesse des Projektmanagements aus meiner Zeit als Projektmanager sehr gut kenne und ihr Verhältnis zu ITSM/ISM-Prozessen eines Unternehmens zum gegenseitigen Nutzen klären und verbessern kann. Gerade SW-Unternehmen haben immer wieder Schwierigkeiten damit, die Prozess-Welt des ITSM und die typischen Prozesse, die in SW-Entwicklungs-Projekte eine Rolle spielen, vernünftig gegeneinander abzugrenzen und dort gezielt die Brücken zu schlagen, wo es sinnvoll und im Interesse guter Ergebnisse auch notwendig ist. Das fängt bei den Prozessen Error- und Problem-Managements in Projekten versus dem Incident/Problem-Management im ITSM an und setzt sich über oft unkoordinierte Configuration- und Releasemanagement-Aktivitäten der Entwicklungsprozesse mit den entsprechenden ITSM-Prozessen des Kundenunternehmens fort.

Dann gibt es einen Bereich, wo alle genannten Punkte typischerweise in einer schwierigen Gemengelage zusammenkommen: Das ist das "elektronische Government". Auch hier habe ich ein paar Jahre mit Erfahrungen auf dem Buckel, die sich gerade von Anbietern für den öffentlichen Dienst gut nutzen lassen sollten.

In jedem Fall fühle ich mich einer neutralen, objektiven und auch nachhaltigen Beratung verpflichtet, die auf beleg- und prüfbaren Argumenten beruht - auch wenn die Ergebnisse meiner Analysen inhaltlich nicht immer 1:1 der ursprünglichen Einschätzung des Auftraggebers entsprechen sollten.

Warum pflege ich einen Linux-Blog?

Ich bin selbst dankbar, wenn ich im Internet auf Tipps im Umgang mit Linux-Client und -Server-Systemen stoße. Ich nutze das Wissen der diversen Linux-Communities im Internet sehr häufig. Auch wenn meine eigenen Erkenntnisse meist auf den Vorarbeiten anderer beruhen, finde ich es gut, wenn man etwas von seinen eigenen, oftmals wieder speziellen Erfahrungen weitergibt. Dass sich dieser Blog von einer reinen Linux-Fokussierung zunehmend auf andere technische Bereiche wie Programmierung ausgedehnt hat, liegt daran, dass entsprechende Erfahrungen auf der Basis von Linux-Plattformen gewonnen wurden und ich bislang noch nicht die Zeit gefunden habe, hierfür separate Blogs aufzumachen. Das kommt aber noch ...